20% auf Tiernahrung und Froop-Gör auf die stille Treppe!

Jetzt geht's um die Wurst. Warum ist Werbung für Fleischwaren so schlecht und wann unternimmt endlich mal jemand was dagegen?

Neulich vor der Glotze: Monotones Umherzappen durch die deutsche TV-Landschaft. Unterwegs begegnen mir grimmepreisverdächtige TV-Formate wie „Big Brother" (Staffel 341) oder „The übernext Uri Geller". Schließlich bleibe ich hängen bei „Rach der Restauranttester". Das Prinzip ist auch von anderen Sendungen wie „Die Kochprofis" bekannt. Sternekoch besucht heruntergekommenes Dorf-Restaurant, nörgelt übers Essen und hilft der drittklassigen Kaschemme durch frische Ideen zu schier unendlichem Besucheransturm.

Jüngstes Beispiel für Rachs innovativen Ideenreichtum: Er erweitert die Speisekarte des „Entenjackobs" – um Ente. Wahnsinn! Großartig! Darauf muss man erst mal kommen. Und während ich noch staune über solch gewagte Gourmet-Geistesblitze, kommt auch schon der nächste Werbeblock. Was ich da sehe, wirft die Frage auf, warum es nicht auch einen Christian Rach des Werbefernsehens gibt. Gleiches Prinzip: Außenstehender platzt in die Marketing-Abteilungen oder Werbeagenturen der großen Konzerne und deckt den Quatsch auf, der dort fürs Publikum fabriziert wurde. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, gnadenlos und unbarmherzig.

Hätte ich diesen Posten (RTL findet meine Kontaktdaten übrigens hier), würde ich mich zunächst einmal fragen, warum Steffi Graf ihr eigenes Fertig-Pesto mit zu ihrem Lieblings-Italiener nimmt. Wie schlecht muss der Bavette-al-Pesto-alla-Genovese-Fraß sein, den Alberto unserer einstigen Tennis-Koryphäe da vorsetzt?! Und wie geht es zuvor im Hause Graf-Aggasi zu?

Andre: „Steffi-Darling, wollen wir heute Abend nicht zu unserem Lieblings-Italiener um die Ecke gehen"
Steffi: „Gerne, aber dann geh ich gleich lieber noch rüber zu REWE. Pesto kaufen."

Deutschländer Würstchen.

Metzermeister wie aus der Meister-Proper-Werbung entsprungen.

Im Übrigen scheinen sich Werber bei Lebensmittel besonders schwer zu tun. Achtung, kleines Quiz. Der Schnellste gewinnt! Nennen Sie eine GUTE Wurstwerbung! Na,…na…. Fällt Ihnen auch keine ein? Ja, Wurstwerbespots gibt es genug. Aber welche davon sind bitteschön gut? Nehmen wir die gute alte Deutschländer-Reklame. Der nette Würstchen-Onkel, seines Zeichens Metzgermeister mit Kravate und blütenweisem Kittel, wird von seinem Fleischereifachverkäufer-Stift gefragt, warum Deutschländer diesen dämlichen Namen tragen. Der Meister nutzt die Steilvorlage, um die Vorteile des Würstchens zum Besten zu geben. Großes Kino. Noch besser ist der Deutschländer-Song. Dicke-Backen-Musik, ein strammer Rhythmus und banaler „Ja, das sind Deutschländer-Würstchen"-Text. Möchte Meica uns da etwa zum Mitmarschieren animieren? Wikipedia definiert den Begriff „Deutschländer" übrigens auch so:

„[...] ursprünglich abwertend gemeinte Bezeichnung für Türken, die in Deutschland leben durch in der Türkei lebende Landsleute [...]".

Aha.

„Brutzler, man ist dat ne Wurst" oder „Du bist ja vielleicht ein kleiner Bratmaxe". Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Froop

FRUCHTALAAAARM! Ein Fall für die stille Treppe!

Oh ja, der Werbetester hat viele Fragen:

  • Wer macht die Schweinerei des Rosenblüten-Regens im neuen T-Home-Spot eigentlich wieder weg?
  • Warum bietet OBI nicht einfach mal 20% auf Tiernahrung?
  • Wo -und vor allen Dingen was- lehrt der Kinder-Professorino?
  • Warum werden Zahnarztfrauen immer mit Blair-Witch-Projekt-Wackelkamera gefilmt?
  • Wann erbarmt sich die Super-Nanni der Froop-Göre?

Welche Werbung würde aber vor den kritischen Augen des Werbetesters bestehen? Solche wie die aktuelle Sparkassen-Werbung. Im tristen Konferenzraum der 08/15-Bank sucht der Firmenschef mit seinem Kompetenzteam nach Ideen, den Kundenschwund zu stoppen. „Fähnchen oder Service" lautet schließlich die Gretchen-Frage:

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Auch beim Vorgänger-Spot (kartenspielende Bankmitarbeiter imitieren Warteschlangen-Musik) bewies die Sparkasse Humor:

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Weiter so! Dann brauchen wir auch keinen Werbetester.

Schluss für heute, Rach geht weiter…

P.S.: Doch noch eine gute Wurstwerbung gefunden? Weiteres Futter für den Werbetester? Ich bin gespannt. Kommentare sind herzlich willkommen.

  1. Na da find ich den Spot doch noch gan amüsant: http://www.youtube.com/watch?v=bB-PP-61jqY

    Kommentar von Anna, 15. März 2009, 14:30 Uhr
  2. Zwar keine Wurstwerbung, aber ich find Sie Klasse, die "Snickers" Werbung:
    :-)

    http://www.youtube.com/watch?v=FnWJu4uDIOg
    http://www.youtube.com/watch?v=vvMXTKwH_Ck
    http://www.youtube.com/watch?v=2U_EfE-mqgE
    http://www.youtube.com/watch?v=Mbpic5BifEw

    Kommentar von Mirko, 16. März 2009, 11:00 Uhr
  3. Ich sag nur: Brawndo!

    http://www.youtube.com/results?search_type=&search_query=brawndo&aq=f

    Aber die "guten Spots" in deinem Beispiel sind alles virale Dinger, die schon vorher gestreut wurden und nur als Reminder auch im TV gebucht wurden denke ich.

    Praktiker hat jetzt ja auch was neues: 20% auf alles was einen Stecker hat. :)

    Ansonsten gibts ja noch die klassischen viralen Beispiele:

    http://www.viralmarketingbuch.de/fallbeispiele.htm zusammengetragen von Herrn Lagner :)

    Grüße aus Köln,

    Danny Faak

    Kommentar von Danny Faak, 20. März 2009, 11:06 Uhr
  4. Eine kleine Anmerkung zur Deutschländer:
    Also ich finde die Werbung absolut zielgruppenaffin:
    Man erinnere sich an die Antwort des netten Würstchenonkels,(der übrigens den Charme eines Blockwarts versprüht), warum die Deutschländer eigentlich Deutschländer heißen:
    "Weil sie knackig sind wie Wiener…"
    Na, klingelts? Auf den empörten Aufschrei des politikbewussten Konsumenten warte ich heute noch.
    Meica sollte sein Produktportfolio erweitern. Ich schlage einen Joghurt mit rechtsdrehenden Kulturen vor. Oder…

    Kommentar von Alexander Wagener, 3. April 2009, 09:38 Uhr
  5. Hervorragend getextet! Da scheint ein Kolumnist im Körper eines Programmierers zu stecken (um das Zitat eines kreativen Geistes mal stark verfremdet wiederzugeben). Chapeau!

    Kommentar von Julia, 15. Februar 2010, 22:01 Uhr

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