Heute endet mit dem vierten Teil die Serie "Einsatzgebiete von Microblogging in Unternehmen". Als letzte Anwendungsfälle zeigen wir heute, wie Microblogging-Dienste wie Twitter das Unternehmen in den Bereichen Krisenmanagement, Verkauf und Recruiting unterstützen können.
Führt man die zuvor genannten Punkte Marketing, Monitoring und CRM zusammen, kommt man zu einem weiteren Einsatzgebiet: Dem Krisenmanagement.
Bei der Bewältigung von Krisen, muss ein Unternehmen darauf vorbereitet sein, schell und effektiv auf die Lage zu reagieren. Am Beispiel der Störfälle in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel im Sommer 2007 zeigt sich, welche Auswirkungen fehlende Kommunikation im Krisenfall haben kann. Der Betreiber Vattenfall reagierte langsam und unvollständig auf die Informationsbedürfnisse der Bevölkerung und versuchte die Vorfälle herunterzuspielen. Die äußerst zurückhaltende Informationspolitik des Konzerns spielte Atomkraftgegner in die Karten. Die fehlende Transparenz und Offenheit wurde schließlich von Politik und den Massenmedien aufgegriffen. Die Folge: Das Unternehmen geriet immer stärker in die Schusslinie der Kritiker.
Ein offenes Krisenmanagement (u.a. durch den Einsatz von Twitter) hätte das Informationsbedürfnis der Bevölkerung befriedigt. Der frühzeitige Einsatz von Microblogging hätte die Stimmung zu Gunsten Vattenfalls kippen können. Ein Medienfiasko hätte so verhindert oder zumindest abgeschwächt werden können.
Als weiterer Nebeneffekt eines offensiven Krisenmanagements werden weitere Unternehmensbereiche (z.B. Callcenter) spürbar entlastet.
Das sich mit Twitter auch Geld machen lässt, zeigt Dell. Unter http://twitter.com/DellOutlet nutzt der Hardware-Herrsteller die Microblogging-Plattform als Resterampe und wandelt so 140 Zeichen in bare Münze. Besser gesagt in 1.000.000 bare Münzen. Ende 2008 gab Dell an, einen Umsatz von 1 Millionen US-Dollar über Twitter generiert zu haben.
Dabei ist DellOutlet nicht der einzige Account den Dell nutzt. Auf der Unternehmens-Homepage finden sich sage und schreibe 34 Twitter-Kanäle, über die Dell das Digitale Marketing erfolgreich anheizt.
Auch im Bereich Human Resources kann Microblogging gute Dienste leisten. Die Personalabteilung findet so u.U. Mitarbeiter, indem Sie offene Stelle ausschreibt, auf Veranstaltungen und Messen hinweist, wo das Unternehmen anzutreffen ist, oder bewusst auf die Suche nach Experten geht, die sich durch eigene Microblogging-Beiträge empfehlen. Mittlerweile gibt es bereits Job-Suchmaschinen für Twitter: www.twitterjobsearch.com.
Man erkennt, dass Microblogging einige interessante Einsatzgebiete im Unternehmen finden kann. Zwar ist die Zahl der Empfänger noch gering, wächst aber stetig. So verzeichnet Twitter einen Benutzer-Anstieg um 1382% in den letzten 12 Monaten (Februar 2008 bis Februar 2009). Diese Zahl zeigt, dass das Medium im kommen ist. Handeln Sie jetzt! Die Zeit ist reif für Corporate Microblogging.
Alle Teile der Serie "Einsatzgebiete von Microblogging in Unternehmen" im Überblick:
Teil 1:
Interner Einsatz: Wissensmanagement, Networking, Unternehmenskommunikation, Berichterstattung, Verbreitung der Unternehmenskultur
Teil 2:
Interner Einsatz: Projektmanagement, Betriebliches Vorschlagswesen, Warum nicht einfach ein Intranet?
Teil 3:
Externer Einsatz: Marketing, Monitoring / Marktforschung, CRM
Teil 4:
Externer Einsatz: Krisenmanagement, Verkauf, Recruiting
Powerpoint-Version:
Die komplette Blogreihe als PPT in englischer Sprache.
Corporate Twitter – Zwitschern für den Unternehmenserfolg:
Einführung in die Twitter-Thematik
Die Serie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sicherlich gibt es noch weitere interessante Einsatzgebiete und Geschäftsideen im Bereich Microblogging. Ergänzungen und Diskussionen sind herzlich willkommen.
Den conception-Blog gibt es übrigens auch bei Twitter: @conceptionblog. Der Autor twittert unter @derlangemarkus.
Vielen Dank für diese exzellente Artikelreihe! Vor allem die Beobachtung zum internen Microblogging im Vergleich zu top-down-Intranets trifft den Nagel auf den Kopf: "effektiver ist aber oftmals die Umkehrrichtung: Bottom-up." Angemerkt sei der Hinweis, dass sich die in Teil 1 und Teil 2 genannten Einsatzfälle hervorragend mit dem in Dresden entwickelten Enterprise Microblog http://www.communote.com abbilden lassen.