Die Gerüchteküche rund um Google und Twitter brodelt. Seit einigen Tagen kursieren Spekulationen über einen möglichen Mega-Deal. Hat der Suchmaschinen-Riese tatsächlich Interesse am Micro-Blogging-Dienst. Und: Was hätten beide Seiten davon?
Dass Google eine Einkaufstour mit mehrstelligen Millionen-Beträgen startet, ist nicht wirklich neu. Jetzt, so munkelt man, befindet sich Twitter ganz oben auf der Wunschliste der Google Incorporation.

Gibt es bald Google Twitter?
Wir erinnern uns: Google erwarb 2003 Blogger. Im Juli 2004 erstand Google von LifeScape die Bildbearbeitungs-Software Picasa. Ebenfalls 2004 wurde Google Earth durch Kauf der Keyhole Corp. Teil der Google-Familie. Im Oktober 2006 folgte Youtube, im Mai 2007 Panoramio und im März 2008 DoubleClick. Nachdem mit Google Chrome nun auch ein Webbrowser das Portfolio ergänzt, fehlt bislang noch ein Micro-Blogger-Dienst, um der Monopol-Stellung im Web ein Stück näher zu kommen. Die 1,31 Milliarden Euro, die damals beim Youtube-Kauf ausgegeben wurden, zeigen, dass Geld eine untergeordnete Rolle bei diesem Vorhaben spielt.
Doch was hat Twitter von einer möglichen Übernahme? Die Antwort ist einfach: Geld!
So angesagt und hipp der Dienst nun mal auch ist, früher oder später muss sich Twitter die Frage nach einem Geschäftsmodell gefallen lassen. Momentan reicht offensichtlich eine riesige Community, um Venture-Kapital zu akquirieren. Erst vor zwei Wochen statteten Investoren das Unternehmen mit weiteren 35 Millionen Dollar aus. Auf lange Sicht bleibt aber bei freier Nutzung und fehlenden Werbe-Einblendungen ein monetäres Problem.
Und genau hier könnte Google einspringen. Die Parallelen zum Youtube-Deal sind leicht erkennbar. Auch Youtube zeichnete sich durch einen riesigen Nutzerkreis bei fehlender Einnahmequelle aus. Die Angst, einen Trend verschlafen zu haben, kam Google damals teuer zu stehen. Twitter dürfte günstiger zu haben sein als seinerzeit das Videoportal – noch.
Google bekäme nicht nur einen weiteren Dienst, mit dessen Hilfe noch mehr Nutzer ans Unternehmen gebunden werden könnten. Nein, auch die kalifornische Datenkrake bekäme neues Futter. Selbst das AdSense-Herz würde höher schlagen. Die rechte Spalte einer jeder Twitter-Seite schreit förmlich nach Werbung, die den Dienst finanzieren. Und die käme vom Martführer: Google.
Und der Nutzer?
Google könnte Twitter langfristig den nötigen finanziellen Halt geben. Der Preis für diese langfristige Stabilität, die im Interesse jedes Twitter-Nutzers liegen dürfte: Werbeeinblendungen auf der Internetseite und noch mehr Daten in Händen des Quasi-Monopolisten. Ob man mit letzterem leben kann, wird jeder selbst entscheiden müssen. Zu den Werbeeinblendungen kann ich persönlich sagen, dass mein Gehirn die Werbung am Bildschirmrand schon lange ausblendet. Als Proband für eine Eyetracking-Studie würde ich dort wohl einen gähnend weißen Fleck produzieren. Hinzu kommt, dass die Webseite nur eine von vielen Möglichkeiten ist, sein Gezwitschertes zu präsentieren. Gerade in Nordamerika ist twittern übers Handy nichts Ungewöhnliches. Aber selbst damit dürfte Google leben können. Beim Foto-Portal PicasaWeb, mit dem Google gegen den Web 2.0-Pionier Flickr antritt, dürfte Google auch kräftig draufzahlen, aber es gehört wohl zur Firmen-Philosophie, interessante Projekte durch andere Dienst querzufinanzieren.
Für den Twitter-Nutzer dürfte die Angst, demnächst nur noch mit Bezahl-Account twittern zu dürfen, erst einmal vom Tisch sein. Die Adwords-/AdSense-Einnahmen sollten genug finanzielle Mittel bringen, um den Dienst über Wasser zu halten.
Außerdem würde Twitter eine vernünftige Suche gut tun. Welcher Anbieter den meisten Mitmenschen beim Stichwort „Suche“ einfallen dürfte, muss ich nicht erwähnen.
Gut oder schlecht?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Die Youtube-Übernahme war seinerzeit für Google sicherlich ein raffinierter, wenn auch teurer Schachzug. Und so ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Google bereits mit Twitter spricht. Wir bleiben gespannt.
UPDATE:
"Twitter bleibt unabhängig" titelt die FAZ. Wie der Twitter-Mitbegründer Biz Stone mitteilte, will sich Twitter nicht übernehmen lassen. http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2009/02/24/biz-stone-quot-twitter-will-unabh-228-ngig-bleiben-quot.aspx
Google zwitschert uns was.
Auch ohne die Übernahme von Twitter ist Google schon beänstigend groß und gut informiert. Müsste es nicht ein Kartellamt für die Internetbranche geben, das die Folgen solcher Fusionen prüft?
Es würde Twitter gut tun, alleine was die Servererreichbarkeit angeht. Die aktuelle C´t hat sich mit dem Titelthema der CeBIT: Microblogging bzw. Webciety außeinandergesetzt und kam auch zu dem Schluss das Twitter hart zu kämpfen hat um steigende Nutzerzahlen zu kompensieren.
Man darf gespannt sein. (Muss es aber nicht
)
Mit möglichen Geschäftsmodellen für Twitter beschäftigt sich Daniel Verst unter http://www.seedfinance.de/2009/01/30/drei-moegliche-geschaeftsmodelle-fuer-twitter. Als die aussichtsreichsten drei nennt er Marktforschung, Kontextgebundene Werbung und Kleinanzeigen.
Hi Markus, habe gedacht VIDEO TWITTER wäre ein geile Idee, um reich zu werden. Bin aber wieder mal zu spät…
http://12seconds.tv/
UPDATE
Twitter hat sein Geschäftsmodell offensichtlich gefunden. Biz Stone bestätigt, dass es einen Bezahlaccount mit mehr Funktionen geben wird: http://www.businessinsider.com/twitter-confirms-paid-pro-accounts-on-the-way-2009-3
Unklar bleiben die Fragen: Wann? Wie teuer? Welche Premium-Features?